Wenn der Kopf nicht angewachsen wäre…

Hand auf’s Herz: haben wir nicht alle schon mal irgendwo irgendetwas liegen lassen? Man geht aus der Haustür und unglücklicher Weise liegt der Wohnungsschlüssel noch drinnen an seinem angestammten Platz? Oder an der Supermarktkasse endet der Griff in die Handtasche ins Leere, weil das Portemonnaie noch auf der Anrichte liegt?

Zugegeben, solch gravierenden „Vergessenheiten“ sind mir noch nicht passiert – doch auch im Kleinen kann man mal was verlegen oder schlichtweg nicht einstecken. Sei es nur die Einkaufsliste oder das Ladekabel für das Handy.

Und im Hotel?

In einem Hotel bleiben natürlich auch Dinge liegen. Sie werden einfach vergessen und geraten dann oftmals in Vergessenheit. „Schwamm drüber“ mag man über das im Zimmer vergessene Paar Socken denken.

Viel Potenzial in wenigen Minuten

Man betritt ein Hotel in der Regel, um einzuchecken. Ziel ist es also, die kleine Plastikkarte zu erhalten, die die Zimmertür öffnet. Doch erstaunlich oft bleibt genau jenes kleine Plastikkärtchen auf dem Rezeptionstresen am Ende des Check-In-Prozesses liegen.

Allein die kurze Interaktion eines Check-In birgt viel Potenzial, Dinge zu vergessen. Ein Klassiker ist das Liegen lassen von Wasserflaschen, Ausweisdokumenten, Autoschlüsseln oder der Kreditkarte beim Check-In.

Die Krönung war aber wohl ein Paar, das beim Betreten des Hotels ihrem Kind sagte, es solle in einem der Sesseln Platz nehmen. Nach dem Check-In griff das Paar alle persönlichen Gegenstände, Koffer sowie die Schlüsselkarten und beschritt dann zielstrebig den Weg zum Zimmer. Doch hatten sie nicht etwas vergessen? Das Kind saß noch alleine und offensichtlich irritiert in der Lobby, bis die aufgewühlte Mutter irgendwann erschien und es mitnahm.

Doch nicht nur Gegenstände, auch Gesagtes wird schneller vergessen, als man sich so vorstellen mag. Manche Gäste legen die Aufmerksamkeitsspanne eines Eichhörnchens auf LSD bei ihrer Anreise an den Tag. Kaum beendet der freundliche Rezeptionist den Check-In mit den Worten „den Aufzug finden Sie zu Ihrer Rechten“, lächelt der Gast zurück und fragt: „Und wo sagten Sie ist der Aufzug?“

Mal „alles stehen und liegen lassen“?

Spätestens am Tag der Abreise, wenn die Kollegen der Etage die Zimmer reinigen, offenbart sich, was man alles vergessen kann. Viele Gegenstände sind einfach Klassiker, die sich immer und immer wieder in den Listen der Fundsachen wiederholen. Dazu gehören Ladekabel, Shampoo und Kleidungsstücke, die ihr tristes Dasein im Kleiderschrank und Schubladen fristen, ehe sie in der Kiste mit den Fundsachen landen.

Doch wie kann man seinen komplett gepackten Koffer im Zimmer vergessen? Und sollte es einem nicht auffallen, wenn man sein Gebiss vergisst? Fein säuberlich dümpelte dieses im Zahnputzglas im Badezimmer. Der zahnlose Besitzer schien wohl auf seine Beißerchen verzichten zu können. Und uns stellt sich die Frage: Wie entnehmen wir das Gebiss aus dem Zahnputzglas ohne es dabei anzufassen?

Im Fundsachen-Lager tummeln sich die unglaublichsten Dinge. Vom Laptop, Kinderwagen oder Reisepass bis hin zu Rollatoren, Krücken und gar Rollstühlen – über Nacht scheinen wohl auch Wunderheilungen möglich zu sein.

Es gab auch mal einen Herrn, der seine Schuhe vermisste – war er doch glatt in den vom Hotel bereitgestellten Slippern auf dem Weg zum Flughafen.

Irgendwie muss es wieder zurück

Niemals würde ein Hotel dem Gast eine Fundsache unaufgefordert zusenden. Das könnte zu Irritationen zu Hause führen. Doch wertvolle Gegenstände und die mit hohem individuellen Wert, werden im Normalfall angefragt.

Ich lehne mich wohl nicht weit aus dem Fenster wenn ich behaupte, dass alle Rezeptionisten innerlich die Augen verdrehen, wenn ein Anruf eingeht der mit den Worten „ich war zu Gast bei Ihnen und habe etwas vergessen“ beginnt.

An dieser Stelle starte der Spießrutenlauf „Fundsache verschicken“. Zuerst gilt es natürlich besagte Fundsache in der sogenannten „Fundsachenliste“ zu finden. Ist das geliebte Stück tatsächlich dort eingetragen, gelangt es in einer zugeknoteten Mülltüte mit angetackertem Zettel, auf den Fundort und Inhalt gekritzelt wurden, wieder an den Empfang. Doch in einer schicken Mülltüte kann man das Liebgewonnene natürlich nicht verschicken. Also ist noch ein geeigneter Karton von Nöten, was direkt die nächste Herausforderung birgt. Denn diese Kartons haben im Normalfall überdimensionale Ausmaße und müssen kunstvoll auf ein kleineres Maß geschnitten werden. Die mit Schere und roher Gewalt zum Schrumpfen gebrachte Kartonage wird oftmals nur von außen durch einen übermäßigen Gebrauch von Paket-Klebeband zum Halten gebracht.

Was?? Das kostet was?

Doch wer bezahlt das Porto? Richtig, der Gast! Ehe das Paket den Weg zur Post findet (an dieser Stelle sei angemerkt, dass sich ein Mitarbeiter der Rezeption häufig in seiner Freizeit in die lange, sich kaum vorwärts bewegende Schlange am Postschalter stellen muss), werden in zig Telefonaten und E-Mail-Kontakten noch die Anschrift und Kreditkartendaten ausgetauscht. Sie haben keine Kreditkarte? Auch das ist – kaum zu glauben in der heutigen Zeit – keine Seltenheit. Ergo muss man nun warten, bis der Gast eine Überweisung getätigt hat und die internen Mühlen zu mahlen begonnen haben. Alles in allem kann schon mal gut eine Woche vergehen, in der das Paket an der Rezeption von links nach rechts geräumt wird, immer wieder Gegenstand der Schicht-Übergaben ist und der Schriftverkehr gefühlte Ewigkeiten im E-Mail-Posteingang dümpelt.

Doch das machen wir gerne. Nicht nur, weil wir dafür bezahlt werden. Sondern auch, weil wir vollstes Verständnis haben, dass das Lieblings-Kuscheltier schnellstmöglich wieder in die Kinderhände gehört oder der im Hotelzimmer vergessene Ehering möglichst rasch wieder an den Finger des Besitzers wandern sollte.

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