Oder warum Datensicherung so wichtig ist!
Heute geht die Reise nach São Salvador da Bahia de Todos os Santos – so zumindest lautet der historische Name der Stadt im Bundesstaat Bahia. Einst war Salvador die Hauptstadt von Brasilien, heute zählt die Altstadt Pelourinho zum UNESCO Weltkulturerbe. Aber dazu später mehr.
Erst einmal möchte ich allen ans Herz legen, immer wieder eine vernünftige Datensicherung durchzuführen. Dazu gehört, die Daten nicht nur an einem Ort zu speichern, sondern am Besten gleich an mehreren. Warum? Weil durch einen Crash des Speichermediums Daten unwiederbringlich verloren gehen. So wie die gefühlten zig-tausend Bilder von Salvador, die ich während meines mehrwöchigen Aufenthalts im Jahr 2010 dort gemacht habe. Wirklich schade! So muss dieser Artikel ohne entsprechendes Bildmaterial auskommen. Aber zum Glück gibt es Google mit seinen vielen Bildern!
Die Motivation
Schon einige Jahre vor meiner ersten Reise im Jahre 2010 nach Brasilien, hatte ich das Glück von einem waschechten Brasilianer Portugiesisch zu lernen. Über die Jahre hat sich eine enge Freundschaft entwickelt und auch eine ganz beachtliche Basis an Portugiesisch-Kenntnissen. Diese wollte ich dann im Jahr 2010 endlich testen. Meine Neugier auf das größte Land Südamerikas war geweckt worden. Doch „einfach nur“ reisen erschien mir zu wenig. Es sollte ein mehrwöchiger Sprachkurs in Brasilien sein. Im Anschluss würde ich Rio de Janeiro für einige Tage erkunden und dann meine Freunde in São Paulo und Campinas besuchen.
Doch welche Stadt kam in Betracht, um dort einen Sprachkurs im November zu absolvieren? Die Auswahl war schier unglaublich groß. In Deutschland standen wir kurz vor einem – wie sich dann herausstellte – sehr schneereichem Winter. Also war klar: es sollte in die Sonne gehen. Salvador schien da die perfekte Wahl. Dort herrscht sonniges, warmes Klima, eine Stadt direkt am Meer und die Bilder im Internet zeigten ein buntes, lebensfrohes Städtchen.
Kurzerhand entschied ich mich für die Sprachschule ICI – Cultural Institute im Stadtteil Barra. Diese Sprachschule verdient eine klare Empfehlung. Nicht nur der Unterricht wurde äußerst kurzweilig und lehrreich von den coolen und jungen Dozenten gestaltet, sondern auch die vielen Exkursions-Angebote konnten sich sehen lassen. Außerdem bestand die Möglichkeit über die Sprachschule in einer Gastfamilie untergebracht zu werden. Doch irgendwann wird man einfach „zu alt“, um bei fremden Menschen zu wohnen. Daher suchte ich eine günstige, autarke Alternative.
Das Hotel
In Salvador gibt es neben vielen Hotels natürlich auch Pensionen, klassische ‚Bed and Breakfast‘, die auf Portugiesisch Pousada genannt werden. Ich buchte die Pousada Estrela do Mar, nur einen Steinwurf von der Sprachschule, vom berühmten Leuchtturm Farol da Barra und den malerischen Stränden entfernt.
Bei meiner Anreise wurde ich so herzlich begrüßt, dass ich mich auf Anhieb wohl fühlte. Das Zimmer war klein – ich hatte das günstigste Einzelzimmer gebucht – aber bot alles, was man braucht und war überaus sauber. Puren Luxus wie in einer Nobelherberge darf man in einer Pousada natürlich nicht erwarten. Der Luxus hier bestand eindeutig in der familiären Atmosphäre und dem herzlichen Team.
Die kleine Pousada Estrela do Mar mit gerade mal neun Zimmern ist sehr liebevoll gestaltet. Im Innenhof, der mit Hängematten ausgestattet ist, kann man umherlaufenden Echsen und auch mal Äffchen beobachten. Oftmals wünschten sie schon zum Frühstück einen ‚Guten Morgen‘. Der Start in den Tag war übrigens eine Wucht. Täglich wurden frische Brötchen, Obst, Marmelade sowie Wurst und Käse aufgetischt. Als besonderes Schmankerl kredenzten die Damen in der Küche eine täglich wechselnde, typisch brasilianische Köstlichkeit.
Mein Tipp also wenn ihr nach Salvador reist: unbedingt hier buchen!
Die Sehenswürdigkeiten
Spricht man von Salvador, werden viele sicherlich erstmal nicht genau wissen, wo sich dieses Millionenstädtchen befindet. Im Nordosten von Brasilien gelegen, ist es nicht zu Weltruhm gelangt wie zum Beispiel Rio de Janeiro und ist auch keine Wirtschaftsmetropole wie Sao Paulo. Doch wer einmal in Salvador war, wird in seinen Bann gezogen werden – das kann ich versprechen!
Farol da Barra
Den berühmten Leuchtturm Farol da Barra habe ich zuvor schon einmal erwähnt und bedarf einiger Worte mehr. Am südlichsten Punkt Salvadors erhebt sich der schwarz-weiße Leuchtturm. Zugegeben, der Leuchtturm an sich ist sicherlich nicht DIE Sehenswürdigkeit, die Salvador zu bieten hat. Doch am Abend der Sonne am Farol da Barra zuzuschauen, wie sie langsam im Meer versinkt, lässt sogar Romantik-Muffel ins Schwärmen geraten!
Von der Landspitze, auf der der Leuchtturm steht, sollte man unbedingt den Stränden zur rechten und linken einen Besuch abstatten. Weißer Sand und blaues Wasser laden zum ausgiebigen Sonnenbad ein und kleine Krebse sind ein wahrer Hingucker, wie sie flink über den Sand krabbeln!
Aufzug Elevador Lacerda
Vom Stadtteil Barra, der sich in der Unterstadt befindet, begeben wir uns nun langsam Richtung Oberstadt. Es gibt mehrere Wege den Höhenunterschied zu überwinden. Entweder man nutzt den öffentlichen Bus, der sich durch steile Straßen und enge Biegungen seinen Weg direkt hoch nach Pelourinho sucht. Gratis dazu gibt es direkt eine kleine Sightseeing-Tour durch diverse Stadtteile Salvadors.
Alternativ fährt auch ein Bus bis zum Aufzug Lacerda, einem der Wahrzeichen Salvadors. Der Eingang in der Unterstadt befindet sich in der Nähe des Mercado Modelo und ist nicht zu übersehen. In etwa einer halben Minute überwindet der Fahrstuhl die guten 70 Höhenmeter von der Unterstadt (cidade baixa) in die Oberstadt (cidade alta). Wenn möglich sollte man die Stoßzeiten vermeiden. Einheimische und Touristen nutzen dieses „Transportmittel“ täglich, so dass es zu Wartezeiten kommen kann. Oben angekommen, hat man einen wahnsinns Ausblick über die Allerheiligenbucht.
Mercado Modelo
Direkt an der Allerheiligenbucht gelegen ist der in einem Gebäude untergebrachte Mercado Modelo vor allem für Touristen ein Magnet. Wer auf der Suche nach typischen bahianischen Souvenirs ist, wird hier sicherlich fündig werden. Vor allem auf der ersten Etage wird man oftmals etwas preisgünstigere Waren finden. Nach der ausgiebigen Shoppingtour ist auf jeden Fall eine Stärkung in dem Restaurant in der oberen Etage zu empfehlen. Neben vielen Leckereien gibt es hier gratis einen fabelhaften Blick auf die Allerheiligenbucht.
Pelourinho – die Oberstadt
Wenn ich an Pelourinho denke, fallen mir zuerst die kleinen, steilen, kopfsteingepflasterten Gassen ein, gesäumt von den vielen pastellfarbenen Häusern. Außerdem gut gelaunte Menschen in üppigen Trachten, Capoeira-Tanzgruppen, Musik, Kunst, barocke Kirchen und Michael Jackson. Ja, der King of Pop drehte seinerzeit das Musikvideo zu „They don’t really care about us“ in Pelourinho.
Aber die Geschichte von Pelourinho ist wahrlich nicht so lebensfroh, wie ich es kennen lernte. Salvador war einst Umschlagplatz für verschleppte Sklaven aus Afrika und Pelourinho fungierte als Sklavenmarkt. Am Largo da Pelourinho stand einst der Pranger für straffällige Sklaven, wo sich jetzt das Museo da Cidade befindet. Heute gehört Pelourinho zum UNESCO Weltkulturerbe. Seit der Ernennung Mitte der 1985er wandelte sich die Altstadt von einem unsicheren, dem Verfall preisgegebenen Bezirk zu einem restaurierten Stadtviertel mit wunderschöner Kolonialarchitektur und unzähligen Barockkirchen.
Bei einem Spaziergang durch Pelourinho kommt man allerdings nicht umhin, auch die vielen Verkäufer von Räucherstäbchen gegen die bösen Blicke oder von Glücksbändchen „O Senhor de Bonfim“ anzutreffen. Oder auch die „Baianas“, die in ihrer ausladenden, traditionellen Kleidungen aus mehreren Röcken und weißen Spitzenblusen zum Haareflechten einladen. Pelourinho ist heute der touristische Mittelpunkt der Stadt – jeder möchte halt etwas vom Kuchen abhaben. Ich für meinen Teil habe damals tatsächlich einige der Glücksbändchen erstanden. Auf meinen vielen Reisen begleitet es mich heute noch fest angeknotet am Koffer-Griff.
Mein Tipp: einfach durch die bunten Gassen treiben lassen. Schaut Euch die krummen, schiefen und bunten Häuser an. Beobachtet die Einheimischen beim Plausch und Kartenspiel auf der Straße. Saugt die Lebensfreude auf. Und, auch wenn ihr keine Kirchgänger seid, geht in die Kirchen!
Kirche Igreja do São Francisco in Salvador
„Außen pfui, innen hui“ trifft wohl am ehesten auf die Kirche des heiligen Franziskus zu. Als ich die Kirche von außen sah, habe ich tatsächlich überlegt, ob ich überhaupt hingehen solle, denn ein passionierter Kirchgänger bin ich wahrlich nicht. Doch ich ging hinein und war ich hin und weg: Gold, soweit das Auge reicht! Man munkelt, dass etwa 1.000 kg reines Gold verbaut wurden. Im Innenhof gibt es die angeblich größte Sammlung an Blaufliesengemälden, die in Portugal hergestellt und dann nach Salvador gebracht wurden.
Nun war ich angefixt von den Kirchen in Salvador und schaut mir dann auch noch die
Igreja Nosso Senhor do Bonfim
an. Die Wallfahrtskirche ist im Barock-Stil erbaut und auch hier findet man Gold, wohin das Auge nur blickt. Kranke und Hoffnung-Suchende bringen in einem großen Nebenraum Bändchen mit der Aufschrift „lembrança do senhor do bonfim da bahia“ als Danksagung an, die ich vorher schon als ‚Glücksbändchen‘ bezeichnet hatte. Ein wirklich beeindruckender Anblick.
Typisch Salvador – das Essen
So viel Sightseeing macht Hunger! Die Küche in Salvador ist geprägt durch kreolische, bzw. afrikanische Einflüsse. Lieben gelernt habe ich ein Nationalgericht Salvadors: Moqueca. Ein Fisch-Eintopf der mit Palmöl, Kokosmilch und verschiedenem Gemüse angerichtet wird. Serviert wird Moqueca mit Reis und Pimenta, einer scharfen Würzsauce.
Für den kleinen Snack zwischendurch müsst ihr unbedingt Acarajé probieren. Der Duft der heiß frittierten Bällchen aus Bohnenmuss wabert durch Pelourinho und lässt einem das Wasser im Mund zusammen laufen.
Sicherheit in Salvador
Als ich auf der Suche nach der geeigneten Destination für meine Reise nach Brasilien war, stieß ich immer wieder auf die Frage der Sicherheit in Brasilien, im Speziellen in Salvador. Dabei las ich wiederholt, dass Salvador zu den gefährlichsten Städten in Brasilien zählen solle. Die Empfehlungen waren unter anderem, Bargeld nur in geringen Mengen mitzuführen, auf die Armbanduhr unbedingt zu verzichtet und sich möglichst nicht anmerken zu lassen, dass man Ausländer ist. Zugegeben, mit all dem zuvor gelesenem war es mir schon ein wenig mulmig, als ich das erste Mal als alleinreisende Frau alleine durch die Straßen zog. Doch das Gefühlt hielt ungefähr 5 Sekunden an. Zu keiner Zeit habe ich mich weder in Salvador, noch in Rio de Janeiro oder São Paulo unsicher gefühlt. Klar, man sollte die geerbten Familienklunker – wenn man solche denn besitzt – nicht offen um den Hals tragen und nachts nicht in die hinterste, dunkle Gasse laufen. Aber, ganz ehrlich, wer macht das schon? Weder zu Hause noch irgendwo anders auf der Welt würde man entgegen seinem Bauchgefühl in Sachen Sicherheit handeln.
Abends haben wir oft verschiedene Cafés besucht, in denen bei Live-Musik und ausgelassener Stimmung getanzt und gelacht wurde. Für den Rückweg zur Pousada wählte ich grundsätzlich ein Taxi. Auf der ersten Fahrt in der Nacht fiel mir auf, dass der Fahrer über rote Ampeln fuhr. Ich sprach ihn darauf an und er erklärte, dass es lediglich der Sicherheit diene. Und tatsächlich erlebte ich oft, dass in der Nacht auf unnötige Stopps an roten Ampeln verzichtet wurde. Passiert ist aber nie etwas und – wie schon gesagt – ich habe mich in Brasilien nicht eine Sekunde unsicher gefühlt.
Fazit
Salvador ist bunt, fröhlich und voll von Lebensfreude. Ich habe mich sofort in diese Stadt verliebt. Nicht nur die Erinnerungen an den Sprachkurs, mit den vielen netten Menschen die ich dort kennen lernen durfte, machten den Aufenthalt in Salvador zu etwas Besonderem. Vor allem die Herzlichkeit der Einheimischen machte es so sehr außergewöhnlich. Noch heute, zehn Jahre später, habe ich Kontakt zu den Mitarbeiter/innen der Pousada in der ich wohnte und ich hoffe, dass die nächste Reise nach Salvador bald geplant werden kann.

Ein Gedanke zu “Salvador da Bahia”