Menschen übernachten aus den verschiedensten Gründen in einem Hotel. Da gibt es zum Beispiel die Geschäftsreisenden, die Messebesucher oder auch Airline-Crews. Allesamt haben gemein, dass sie schon beim Betreten des Hotels höflich lächeln, während der Check-In-Prozedur freundlich agieren und nur zum Check-Out noch einmal gesehen werden.
Und dann gibt es sie:
Die Urlaubsreisenden!
Dabei gibt es eklatante Unterschiede zwischen den Pauschal- bzw. Wochenendtouristen und den Gästen, die ein sogenanntes „Park, Stay and Fly-Paket“ gebucht haben. Zu Ersteren kann man sicherlich auch Bücher füllen, soll hier aber nicht das Thema sein. Vielmehr möchte ich mich mit den „PSF-lern“ beschäftigen, wie sie kurz in zahlreichen Hotels genannt werden.
Woran erkennt man einen PSF-ler?
Man stelle sich den Haupteingang eines typischen Hotels vor. Zunächst gibt es eine Vorfahrt, in der man direkt vor dem Haupttüren des Hauses halten kann, um Gepäck auszuladen. Direkt dort befindet sich auch der Haupteingang, oftmals eine gläserne Drehtür und/oder eine „ganz normale“ Tür zum Eintreten in die heiligen Hallen, die wir Lobby nennen.
Jeder normale Mensch nutzt diese Vorfahrten so wie sie gedacht sind. In Fahrtrichtung befährt man den Weg der Ausschilderung folgend, um von dort aus auf den hoteleigenen Parkplatz zu kommen. Dieser ist im Normalfall mit einer Schrankenanlage an der Ein- und Ausfahrt ausgestattet. Wie in einem öffentlichen Parkhaus, zieht man hier ein Ticket indem man auf den großen (und im Normalfall einzigen) Knopf drückt. Wie von Zauberhand öffnet sich dann die Schranke und man kann passieren.
Ein PSF-ler scheint jedoch beim Packen des Koffers ein wichtiges Utensil vergessen zu haben. Offenbar wird der Kopf oftmals als wenig sinnvolle Ergänzung zum Reisegepäck gesehen. Denn diese Vorfahrt wird direkt mal als Parkplatz genutzt – quer – so dass weder andere Gäste, noch Taxen oder der Flughafen-Shuttle die Vorfahrt zu ihrem eigentlichen Zweck benutzen können.
Vom Koffermeer und Reiseoutfit
Nachdem das Auto erfolgreich, jedoch wenig STVO-Konform, abgestellt wurde, braucht ein geübter Rezeptionist nicht von seiner „Fidelio-Gebets-Haltung“ aufzuschauen, um zu wissen welches Gästeklientel sich seinen Weg in die Lobby bahnt. Er lauscht einfach dem rhythmischen Hämmern gegen die gläsernen Scheiben der Drehtür, das die diversen Koffer und Handgepäckstücke nebst mindestens zwei Personen verursachen, wenn sie sich alle zusammen auf nur einem Quadratmeter pferchen. Kurzerhand wird das Koffermeer nun mitten in der Lobby platziert – direkt neben dem Schild Lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt. Wer gut in Tetris war, stapelt nun auch noch die einst auf dem Rücken fest verzurrten Rucksäcke oben auf dem Koffermeer. So manch Kleinganove kennt diese Angewohnheiten und bedient sich flinken Fingers gerne mal an den Rucksäcken oder auch Bauchtaschen, die oben auf dem Koffermeer ihr Dasein fristen.
Ein weiteres Indiz, dass man in es in Kürze mit einem PSF-ler zu tun bekommt, ist unbestreitbar das Reiseoutfit. Von Kopf bis Fuß ist das Reiseoutfit nicht nur auf den bevorstehenden Flug angepasst, sondern schon einmal ein erster Hinweis, dass es sich um 14 gebuchte Tage Halbpension auf den Kanaren handeln muss. Die neumodischen Sneaker, besetzt mit allerlei Glitzer und Mustern, sind farblich auf die Zip-Wanderhose abgestimmt. Eine Mehrzwecke-Jacke rundet das Outfit ab – ein Dank an den weltbekannten Hersteller mit der Tatze im Logo für diese tolle Erfindung.
Der Check-In
Die Anreise mit dem eigenen PKW, das Abstellen dieses und das Betreten der Lobby scheint schon alle Energien aufgebraucht zu haben. Nicht anders ist zu erklären, dass ein Großteil der Urlaubsreisenden kaum einen Ton herausbringen, wenn sie am Rezeptions-Tresen angekommen sind. Stattdessen wird die zuvor mühsam aus der Bauchtasche befreiten Buchungsbestätigung wortlos präsentiert. Junge, motivierte Rezeptionisten lächeln und fragen der Einfachheit halber nach dem Namen der Gäste, um die Reservierung finden zu können. Andere sparen sich das Lächeln und fragen direkt.
Herausforderung Meldeschein
Allem voran steht das Ausfüllen des Meldescheins. Es sind nicht viele Angaben notwendig, die in das oftmals wie ein Behördenformular aussehende Papier eingetragen werden müssen. Als Empfangsmitarbeiter ist man natürlich gerne behilflich und führt monoton auf „bitte tragen Sie Ihre private Anschrift, Ihr Geburtsdatum und Ihre Unterschrift ein“.
Doch, wie schon gesagt, wäre es ratsam auch in den Urlaub die ein oder andere Gehirnzelle mitzunehmen. So ergibt sich immer mal wieder folgender Dialog:
Rezeptionist: „Bitte tragen Sie Ihre private Anschrift, Ihr Geburtsdatum und Ihre Unterschrift ein“
Gast: „Welche Anschrift? Die vom Hotel?“
Rezeptionist: „Wir benötigen Ihre private Anschrift…wo Sie wohnen.“
Eifrig macht sich nun der Gast ans Ausfüllen. Nach beendeter Fleißarbeit steht ein fein säuberlicher Schrift die Postleitzahl nebst Wohnort in dem Feld ‚private Anschrift‘.
Rezeptionist: „Wir bräuchten bitte noch die Strasse zum Wohnort.“ Fragende Blicke schauen aus ratlosen Augen gen Rezeptionisten. Also muss diese Aussage konkretisiert werden: „Quasi alles das, was Sie auf einen Briefumschlag schreiben, wenn Sie sich selber einen Brief nach Hause schicken“ Das scheint zu helfen, die Aufgabe wird gemeistert.
Gast: „Wo steht Geburtsdatum? Muss ich unterschreiben?“
Ein schneller Blick auf die vollendete Herausforderung ‚Meldeschein ausfüllen‘ verrät dem Rezeptionisten, dass zwar die Anschrift nun vollständig ist. Die Unterschrift aber ist längst nicht auf der dafür vorgesehenen, langen, fett gedruckten Linie gelandet unter der „Unterschrift des Gastes“ steht. Egal, Hauptsache der ‚Karl Otto‘ ist drauf. Doch die Sache mit dem Geburtsdatum scheint oftmals eine Herausforderung. Natürlich macht man sich gerne mal um das ein oder andere Jahr(zehnt) jünger, doch in das Feld ‚Geburtsdatum‘ das tagesaktuelle Datum eintragen? Das glaubt einem keiner.
Sind vier Stunden zu wenig?
„Wann möchten Sie denn morgen Früh am Flughafen sein?“ ist eine Frage, die jeder Rezeptionist ohne böse Absicht stellt. Dahinter steckt lediglich die Buchung der Sitzplätze im Flughafen-Shuttle zur gewünschten Uhrzeit. Dass diese Frage jedoch wahre Ehekrisen auslösen kann, ist wohl den wenigsten bewusst.
Als erste Reaktion vernimmt man als Empfangsmitarbeiter lediglich leere und zugleich fragende Augen. Schnell ziehen die PSF-ler also die Flugunterlagen aus der lasziv unter dem Bauch getragenen Bauchtasche. Wissend und bestimmt kommt auch schon die Antwort „wir fliegen um 07:00 Uhr“ und präsentieren dabei die Flugtickets. Ein geschulter Blick verrät, dass das Boarding um 07:00 Uhr beginnt – aber an Kleinigkeiten halten wir uns nicht auf.
Also erneut die Frage „Wann möchten Sie denn dann morgen Früh am Flughafen sein?“.
Schweigen.
Blicke werden ausgetauscht. „Was meinen Sie denn?“ ein erster Ersuch um Hilfestellung.
Rezeptionist: „Die meisten Airlines empfehlen etwa zwei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein“.
Nach erneutem Schweigen und dem Austausch vielsagender Blicke, scheinen die Rechenkünste zu einem Ergebnis gekommen zu sein:
Gast: „Dann wäre uns ein Shuttle um drei Uhr recht.“
Und wie funktioniert das dann?
Ja, auch das ist eine häufige Frage, die genau so gestellt wird. Was damit gemeint ist? Auch das weiß der erfahrene Rezeptionist und antwortet wahrheitsgemäß, dass der Shuttle zu der vereinbarten Uhrzeit vor der Tür stehen wird.
Gast: „Aha, kommt der also hier rein?“
Nein, liebe PSF-ler, der Shuttle-Bus kommt nicht in die Lobby gefahren. Es wäre gut, wenn Sie und ihr Gepäck also vor der Tür warten. Außerdem wäre es äußerst hilfreich, wenn Sie Ihr Auto noch auf dem Parkplatz parken, damit der Shuttle-Bus überhaupt die Möglichkeit hat, vor den Haupteingang zu fahren. Und nein, die Schranke können wir nicht abmontieren damit Sie einfahren können. Drücken Sie doch – wie alle anderen – einfach den großen Knopf.
