Hört dazu auch meine Podcast-Folge:
In der Hotellerie treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander, mit denen man kommunizieren muss. Wie? Natürlich auf Englisch! In der Schule hatte ich mich schon (na ja, eher minder) erfolgreich durch den Englisch- und Französisch-Leistungskurse gekämpft und war mir sicher, die dabei erworbenen Kenntnisse seien eine mehr als solide Grundlage für alles, was mich im Berufsleben erwarten sollte. Recht schnell stellte sich das als ein absoluter Irrglaube heraus.
Die Bettdecke zum hier trinken?
Wir schreiben das Jahr 2001. Als Azubi hatte ich mich zum Dienst an der Hotelbar hochgearbeitet. Ein Bier zapfen hier, ein Glas Cola einschenken da…es lief. Die Getränke unfallfrei an die Gasttische zu balancieren soll jetzt nicht das Thema sein, ist aber auch eine Geschichte für sich.
So stand ich hinter dem Bar-Tresen, der direkt der Rezeption angeschlossen war. Ein Herr trat heran, mit einem breiten Lächeln fragte ich ihn nach seinem Getränkewunsch. Auf Englisch antwortete dieser „one Blanchet, please“. Ich war verwirrt ‚was meint der denn??‘ muss in großen Lettern in meinem Gesicht gestanden haben. Der Gast sprach das Wort ‚Blanchet‘ mit französischem Akzent aus. ‚Aha, welches englische Wort kommt dem wohl nahe?‘ und schon schossen mir die Vokabeln meines kleinen Wortschatzes durch den Kopf. Plötzlich hielt das Glücksrad der Vokabeln mit der eindeutigen Lösung an: Er meint eine „blanket“. Das englische Wort hatte ich bereits gelernt und bedeutet „Bettdecke“.
Siegessicher und völlig überzeugt fragte ich ihn also „do you want to have it here?“ und stand schon in den Startlöchern, eine Bettdecke zu holen und sie dem Gast zu überreichen. Ja, antwortete er knapp und schon war ich auf dem Weg. Kurze Zeit später kam ich mit einer frisch bezogenen Bettdecke zurück, die ich dem nun sehr erstaunten Gast in die Hand drückte. Das anfängliche Fragezeichen war aus meinem Gesicht gewichen, dafür stand es nun breit in seines geschrieben und so wiederholte er seinen Wunsch „could I please have a glas of the ‚Blanchet‘ white wine?“
Restroom vs drug store
Nicht nur dieses Erlebnis zeigte mir im Laufe meiner ersten Berufsjahre die Grenzen meiner Sprachkenntnisse auf. So beschloss ich Mitte der 2000-er Jahre ein Auslandsjahr in den USA einzulegen und reiste im Sommer 2005 nach Atlanta, Georgia, USA, wo ich etwa ein Jahr im Hilton am Flughafen an der Rezeption meinen Dienst versah.
Ich war gerade erst ein paar Tage dort und wohnte noch im Hotel, als mir ein Kollege anbot, mich mit in die Stadt zu nehmen. Ja, sehr gerne, die Gelegenheit wollte ich doch unbedingt wahrnehmen. So stiegen wir in sein Auto und glitten den Highway entlang. Unvermittelt erklärte Kollege Jonny, dass er noch eben in einem ‚drug store‘ anhalten wolle. Des Wortes nicht mächtig überlegte ich fieberhaft, was denn wohl ein ‚drug store‘ sein könne?! Die Lösung? Übersetzte die Vokabeln Wort für Wort. ‚Ok, ’store‘ verstehe ich, das ist ein Geschäft. ‚Drug‘ verstehe ich auch, das sind….Drogen???‘ Ich rutschte tiefer in den Beifahrersitz, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass es gerade in den USA einen Laden gibt in dem man DROGEN kaufen kann! War also DAS gemeint, wenn man vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten sprach?
Jonny bog auf einen Parkplatz und fragte, ob ich mit rein kommen wolle. NEIN, wollte ich schon fast schreien, mit Drogen will ich nichts am Hut haben. Ein knappes „no, thanks“ war allerdings alles, was mir über die Lippen kam. In einer Mischung aus Angst, Respekt und Unwohlsein rutschte ich ungeduldig auf meinem Sitz herum, überlegend, ob es wohl Sinn machen würde einfach auszusteigen und wegzulaufen?! Doch da kam Jonny schon zurück, stieg ins Auto, warf die im ‚drug store‘ – einem Drogeriemarkt – erworbene Shampooflasche auf das Armaturenbrett.
Dass eine wörtliche Übersetzung nicht immer den gewünschten Erfolg bringt, hätte sich eigentlich schon in meinem Kopf verankert haben müssen. Doch, wie das so ist, begeht man den selben Fehler ja auch gerne mehrmals. So kam es zu dieser Situation:
You may take a seat…
Ich stand hinter der Rezeption mit Blick in die großzügige Lobby, ausgestattet mit Couchen, Sesseln und diversen anderen Sitzgelegenheiten. Da trat ein Mann an mich heran und fragte „where is the restroom?“ Uh, schon wieder eine dieser unbekannten Worte und schon ratterte es in meinem Kopf: ‚to rest‘ bedeutet zu warten, pausieren. Ein ‚room‘ ist eindeutig ein Zimmer. Und damit war die Lösung präsentiert. Der Gast suchte einen Warteraum! Freundlich lächelnd bot ich an, er könne doch in der Lobby Platz nehmen „you may take a seat over there“ und deutete auf die Sitzgruppe direkt gegenüber der Rezeption. Ich erntete einen angewiderten Blick, gepaart mit einem leichten Kopfschütteln. Der Gast schien nicht zufrieden, wandte sich an die Kollegin neben mir und erkundigte sich abermals nach den „restrooms“. Sie lieferte ihm die passende Antwort. Meine Blicke folgtem dem Mann, der rechts um die Ecke geradewegs zu den öffentlichen WC’s ging.
