Andere Kulturen, Gewohnheiten aus der Fremde und exotische Speisen machen eine Reise zu etwas Besonderem. So ergeht es wahrscheinlich den meisten von uns, wenn wir die schönsten Wochen des Jahres in einem fernen Land verbringen.
Doch ebenso ergeht es auch Reisenden, die nach Deutschland kommen. Klischees wollen bedient und „typisches Deutsches“ entdeckt werden. Dazu gehören nicht nur das Oktoberfest, Gartenzwerge oder weißbesockte Füße in Sandalen, sondern auch Schnitzel, Bratwurst und Bier.
Wie schmeckt Deutschland?
Bleiben wir in der kulinarischen Ecke und widmen uns den Besonderheiten, die eine Landesküche zu bieten hat. Wer kennt es aus dem Urlaub nicht, morgens das Frühstücksbuffet zu umrunden und die eigenartig anmutenden Speisen und Getränke zu sehen, von denen man nicht wirklich weiß, um was es sich handelt? Mutige starten die kulinarische Entdeckungsreise schon am Frühstücksbuffet.
So erging es wohl auch einem Gast aus dem asiatischen Raum, der eine Nacht in unserem Hotel verbrachte.
Das Hotel hatte erst einige Tage zuvor seine Pforten eröffnet. Alles war neu, glänzte und sah einfach schick aus. Doch hier und da krankte es noch ein wenig – wie das so ist bei einer Neueröffnung. An mancher Stelle fehlt es halt noch.
Die wichtigste Mahlzeit des Tages
Frisch gebackene Brötchen und Kaffeeduft waberten durch das Haus, als ich am Morgen zum Frühdienst an der Rezeption erschien. Nach einiger Zeit konnte ich dem Duft nicht widerstehen und beschloss, mir einen Kaffee aus dem Vollautomaten im Frühstücksbereich zu ziehen. Während ich an der Kaffeemaschine stand und wartete, dass das Heißgetränk in die Tasse gelaufen war, beobachtete ich noch etwas verträumt die zu dieser frühen Stunde anwesenden Gäste beim Frühstück.
Dabei blieb mein Blick an einem asiatischen Herrn haften. Er füllte sich gerade am Frühstücksbuffet ein wenig Obstsalat in ein Schälchen und öffnete danach direkt an der Eier-Station den Deckel des Chafing Dishes für hart gekochte Eier. ‚Oh, die Eier sind alle‘, dachte ich bei dem Anblick des leeren Chafis.
Doch nicht nur die Eier waren offensichtlich vergriffen, auch die Lieferung des Wärme-Kies hatte sich anscheinend verzögert. Am Vortag hatten wir, um den Eiern Halt und Wärme spenden zu können, Vogelsand in das Chafing Dish gefüllt – Not macht eben erfinderisch.
Was genau der asiatische Gast beim Öffnen des Chafing Dishes erwartet haben mag, kann man wohl nur vermuten. Waren die hellen, feinen Körner eine landestypische Speise? Kurzerhand nahm er einen Löffel, häufte diesen mit Vogelsand, schüttete ihn auf seinen Obstsalat und übergoss das ganze noch mit etwas Fruchtjoghurt.
Meine Blicke folgten ihm bis zu seinem Tisch – ungläubig, erstaunt, leicht geekelt. Er setzte sich und aß genüsslich seine selbst kreierte Mischung.
