Es ist Sonntag. Die Kollegen der anderen Abteilungen haben die heiligen Hallen bereits verlassen als ich den Spätdienst übernehme und so richte ich mich für die nächsten acht Stunden hinter dem Tresen häuslich ein. Bisher war es ein ruhiger Nachmittag, wie zu erwarten hatte ich bisher nicht wirklich viele Menschen gesehen. Die geplanten Anreisen würden erst am späten Abend kommen – es ist Sonntag.
Wären da nicht die Walk-Ins
Murphy will es so: Immer wenn man gerade eine Arbeit begonnen hat, kommt jemand zur Tür herein und möchte spontan ein Zimmer haben. Hat man Glück, steht ein bekanntes Gesicht nebst Begleitung vor einem. Schnell sind die Formalitäten erledigt. Manchmal erlaube ich mir einen Spaß, indem ich den Schlüssel an den mir bekannten Herren überreiche und hinzufüge, dass er ja schon oft dagewesen sei und sich daher im Haus auskenne – werfe dann einen Blick auf die Dame neben ihm und füge hinzu „aber wir kennen uns noch nicht“. Mit einem strafenden Blick tadelt mich der Herr und schiebt die Dame schnell zum Aufzug, ehe sie realisiert was gerade geschehen ist.
Doch dann gibt es auch diese…
Ein Mann betritt die Lobby – es ist klar was er will noch bevor er einen Ton gesagt hat. Dennoch starten wir den Dialog:
Er: „Ey Du, ich brauche ein Zimmer“
Ich: „Haben wir noch frei, kostet € 59,00“
Er: „Ich zahl Dir € 30,00“
Ich: „Es kostet € 59,00“
Er: „Nein, ich zahl Dir € 30,00“
Ich: „Sie zahlen € 59,00 oder Sie gehen wieder“
Er: „Ich zahle immer € 30,00“
Ich: „Sie zahlen € 59,00 oder Sie gehen wieder“
Er: „Nein, ich zahle immer € 30,00. Weißt Du, ich bin Stammkunde“
Ich: „Und ich bin Stammkunde im Supermarkt um die Ecke. Und trotzdem muss ich den vollen Preis für die Bananen bezahlen“
Er: „Ey, Du verarscht mich“
Ich: „Das würde ich wirklich gerne“
Er: „Ok, ich zahle € 59,00“
Die Abreise
Nach ein paar Stunden liegen die ersten Schlüsselkarten wieder auf der Rezeption – wortlos schleichen sich die Gäste raus und entschwinden ohne eine Verabschiedung. Andere wiederum bauen eine große Geschichte auf. Sie kommen zur Rezeption und behaupten, dass sie gerade einen Anruf bekommen hätten. Die Handwerker seien mit der Renovierung der Wohnung fertig, deswegen würden sie doch zu Hause schlafen. Diese Handwerker würde ich gerne mal kennen lernen, die in Windeseile an einem Sonntagabend eine ganze Wohnung renovieren.
Oder auch immer gerne genommen ist die Ausrede, dass man nun los müsse, in ein paar Stunden würde ihr Flug starten. Empathisch frage ich wohin denn die Reise gehe. Ertappte Gesichter schauen mich an. Das betretene Schweigen überbrücke ich mit dem aufmerksamen Angebot, den Flugstatus online zu checken. Nun schaue ich in große, leere Augen und erfahre, dass das nicht nötig sei, es ist sicher, dass der Flug in drei Stunden pünktlich startet. Ein kurzer Blick auf die Uhr: es ist 22:00 Uhr… Na dann mal guten Flug – Düsseldorf hat Nachtflugverbot…
