Endlich – nach drei Jahren Corona- und beruflich bedingter Reiseabstinenz, stand endlich wieder ein Kurztrip vor der Tür: Vier Tage Algarve in Portugal. Vier Tage Sonne, Strand, Meer, Natur und gutes Essen. Man sagte, Vorfreude sei die schönste Freude. Da mag was dran sein. Doch wenn es dann endlich los geht, ist es noch schöner!
Der Traum von der Algarve? Bem-vindo ao Portugal
Vor der Abreise träumte ich, von der Sonne und Wärme aufgeladen über kurvenreiche Straßen der Küste zu folgen. Immer der Nase nach. Zur einen Seite das Meer, blau strahlend durch die gleißende Sonne. Auf der anderen Seite facettenreiche, goldene Landschaften mit Flora und Fauna. Der Wind trägt mich, der Weg ist das Ziel. Zum Abschluss eines Tages sah ich gutes, frisches, lokales Essen vor mir, das sämtliche Geschmacksknospen kitzelt.
Und wurde der Traum wahr?
Mich erwarteten Bilderbuch-Buchten mit bizarren Steinformationen, wildes Hinterland, wunderschöne Natur, nette Menschen, gutes Essen. Ja, genau so hatte ich es mir vorgestellt.
Wir hatten schon (fast) die ganze Welt bereist, zum Beispiel Australien, Thailand, Brasilien oder auch immer wieder in die USA. Dieses Mal gestaltete sich die Anreise vergleichsweise kurz. Den nur dreistündige Flug von Düsseldorf nach Faro kann man dennoch gut für ein ausgiebiges Nickerchen nutzen, um ausgeruht anzukommen.
Am Flughafen Faro übernahm ich dann den gebuchten Mietwagen, den ich vorab online reserviert hatte. Ein netter, junger Herr am Schalter war der erste, der meine mittlerweile arg eingeschlafenen und dadurch rudimentären Portugiesisch-Kenntnisse zu spüren bekam. Doch wir schlugen uns tapfer – es sei angemerkt, dass er auch hervorragendes Englisch sprach – sodass ich nach nur kurzer Zeit die Schlüssel für einen kleinen, weißen Fiat 500 mit Glasschiebedach in den Händen hielt. Kurz den Sitz und die Spiegel eingestellt, dann die Sonnenbrille auf die Nase geschoben – los ging die Fahrt.
Das Palm View Guest House – die perfekte Unterkunft in Luz
Das erste Ziel war das Palm View Guest House in Luz, das ich vorab für zwei Nächte gebucht hatte. Gefunden hatte ich das Kleinod auf booking.com, wo es allerdings nicht mehr buchbar war. Auch auf der Website des Guest Houses waren keine Verfügbarkeiten mehr eingestellt, weshalb ich kurzerhand eine E-Mail an das Bed and Breakfast schrieb und fragte, ob sie noch ein Zimmer anbieten können. Jonas und Thomas, die das Guest House führen, reagierten prompt mit einer positiven Nachricht und buchten mich für zwei Nächte ein.
Doch vor dem Eintreffen dort lag eine kurzweilige Fahrt unter der aufgegangenen Sonne immer Richtung Küste der Steinalgarve. Als schnellste Verbindung von Faro Richtung Lagos führt die Autobahn A 22. Doch wer einfach immer der N 125 folgt, bekommt nicht nur eine Sightseeingtour durch kleine, authentische Ortschaften, sondern spart auch die Autobahn-Maut. Außerdem hat man so die Möglichkeit, jederzeit für einen Café und ein Pastei de Nata anzuhalten.





Im Palm View Guest House angekommen, hatte ich gerade mein kleines Auto geparkt, als Jonas und Thomas bereits aus dem Haus traten, um mich zu begrüßen. So herzlich, so persönlich – ich fühlte mich, als ob ich bei Freunden angekommen sei. Die beiden Schweden, die in Luz ihr neues Zuhause gefunden haben, eröffneten das Guesthouse erst während der Corona-Zeit und somit war es nicht nur neu am Markt, sondern auch liebevoll, gemütlich und qualitativ sehr hochwertig eingerichtet. Die wenigen Zimmer waren individuell gestaltet und mit allerlei Einzelstücken ausgestattet worden. Am Pool oder im angeschlossenen Palmengarten konnte man wunderbar entspannen und die Seele baumeln lassen.
Zum Frühstück tischten Jonas und Thomas allerlei Köstlichkeiten auf – welch ein fulminanter Start in den Tag.
Welcher Strand an der Algarve darf es denn sein?
Doch es hielt mich vorerst nicht lange in meinem Zimmer, denn die Umgebung wollte erkundet werden. In das Zentrum von Luz hätte man gemütlich in gut 20 Minuten laufen können, doch der Leihwagen stand vor der Tür und außerdem hatte ich ein Ziel: der Strand. So tauschte ich die auf der Reise getragene lange Hose und Sneaker gegen strandtaugliches Outfit und nahm eins von den im Guesthouse zur Verfügung gestellten Strandhandtüchern mit – auf zum Strand!
Wer die Wahl hat… es gibt etwa 150 Strände an der Algarve
Praia da Luz
An der Steinalgarve verbergen sich wahre Strand-Perlen zwischen irren und bizarren Felsformationen. Ich startete meine Strand-Expedition am Praia da Luz. Ganz klassisch findet man hier eine Strandpromenade mit Lokalen, von denen aus man einen wunderbaren Blick auf den Strand und die unendlichen Weiten des Meeres hat. Schön. Doch auch voll. Im August waren bei uns die Sommerferien zwar schon vorbei, doch halb Europa hatte noch Ferien und gefühlt war auch halb Europa am Praia da Luz. Daher entschied ich mich, weiter zum Praia do Burgau zu fahren.
Praia do Burgau



Nur etwa 20 Minuten später parkte ich das Auto in einer kleinen Seitenstraße und folgte dem Kopfsteinpflaster die steilen Gasse Richtung Strand hinab. Der Weg dorthin war gesäumt von einer bunten Blumenvielfalt, die mit den weiß getünchten Häusern im herrlichen Sonnenschein um die Wette strahlten. Direkt am Strand lohnt sich auch eine Einkehr ins eines der Restaurants, zum Beispiel das Miam oder Love Burgau, von wo aus man bei sehr gutem Essen den Blick auf das türkisblaue Meer schweifen lassen kann. Absolut empfehlenswert!
Forte de Almádena – zwischen Burgau und Salema
Auf dem Weg nach Salema fiel mir ein Hinweisschild zum Forte de Almádena auf. Kurzerhand bog ich auf den schmalen Zufahrtsweg ab, der sich als eine buckelige Steinpiste entpuppte, die den kleine Fiat 500 ganz schön herausgeforderte. Im Schritttempo rumpelte ich also um die tiefen Schlaglöcher herum, um schließlich einen spektakulären Rundumblick genießen zu dürfen.




Luz – ein Kleinod an der Algarve
Vor Sonnenuntergang kehrte ich nach Luz zurück, um diese kleine Perle an der Steinalgarve genauer in Augenschein zu nehmen. Wer auf der Suche nach einem gediegenen Örtchen ist, wird sich hier wohl fühlen. Massentourismus kennt man hier nicht – und das ist auch gut so. Neben einigen kleinen Geschäften bietet Luz eine Strandpromenade und eine Vielzahl sehr guter Restaurants.
Probiert unbedingt The Dolphin Restaurante und die Tapasbar Latitude!




Sagres und Cabo São Vicente
Die Fahrt zum südwestlichsten Punkt Europas erschien fast wie eine Fahrt ans Ende der Welt. Je näher ich Sagres kam, desto kärger wurde die Vegetation, bis schließlich nur noch bodennahes Gestrüpp um mich herum zu sehen war.
Sagres an sich ist ein Hotspot für Surfer, denn hier ist das Meer besonders wild und ungestüm. Auf mich wirkte Sagres jedoch eher trostlos. Bis auf ein paar Surfshops, Cafés und Bars, konnte ich dem Örtchen nicht viel abgewinnen. Daher fuhr ich weiter und machte an einem Aussichtspunkt Halt. Der starke Wind, der mir um die Nase blies, ließ die tosenden Wellen hoch schlagen. Es war beeindruckend von hier aus die Fortaleza de Sagres und den Farol do Cabo São Vincente sehen zu können. Der Leuchtturm (Farol) markiert das tatsächlich äußerste Ende Europas und ist einer der meist besuchtesten Orte an der Algarve.



Lagos
Die verträumte Hafenstadt Lagos hat einiges zu bieten. Ich schlenderte vor allem durch die historische Altstadt. In den engen, verwinkelten Gassen kann man sich wunderbar verlieren und einfach treiben lassen.
Vor allem die mit den für Portugal typischen Azulejos (Kacheln) verzierten Häuser haben es mir angetan. Doch auch die wenige, aber dafür sehr schöne Street Art war immer wieder ein Hingucker.







Die berühmten Strände Praia Dona Ana, Praia do Camilo und Praia do Pinhao habe ich keine Besuch abgestattet. Das wird mit Sicherheit bei der nächsten Reise an die Algarve nachgeholt.
Carvoeiro Broadwalk und Algar Seco
Nach zwei Nächten in der Wohlfühl-Oase des Palm View Guest House war es an der Zeit weiter zu ziehen. Mein Ziel lag östlich von Faro an der Sandalgarve: Olhão.
Doch Auf dem Weg dahin ist ein Stopp in Carvoeiro unbedingt anzuraten. Die Stadt Carvoeiro? Nein. Denn diese war total überlaufen von Touristen. Ich wollte den Broadwalk sehen und machte mich auf den Weg auf den Holzweg. Ja, tatsächlich handelt es sich bei dem Broadwalk um einen langen, hölzernen Laufweg. Über unscheinbare, in den Stein geschlagene Treppen kann man tief in die Felsen hinein laufen und einfach nur Staunen. Und, glaubt mir, Flip Flops sind an dieser Stelle nicht das geeignete Schuhwerk.












Olhão
Nachdem ich im Hotel Cidade de Olhão eingecheckt hatte, machte ich mich auf die Stadt zu erkunden. Die Lage des Hotels entpuppte sich als sehr gut. Die Altstadt und auch die Promenade waren nach einem kurzen Spaziergang zu erreichen. Parkmöglichkeiten hingegen war rar. Das Hotel war in Ordnung, die Zimmer mit allem ausgestattet was man braucht. Aber so recht von den Socken wollte es mich nicht hauen. Doch das Preis-Leistungs-Verhältnis war sehr gut.
Tagsüber wirkte die Stadt Olhão wie ausgestorben. Am Abend hingegen erwachte das Leben im Zentrum. Vermutlich tummelten sich tagsüber Touristen wie Einheimische auf eine der vielen Inseln oder im Ria Formosa – ein Naturschauspiel vor der Küste. Fähren bringen einen zu einem günstigen Preis morgens hin und abends wieder zurück. Doch, wenn ihr den Bericht aus San Fransisco gelesen habt, wisst ihr, warum ich mich gegen eine Fährfahrt entschied.










Loulé – klein, aber fein
Definitiv einen Abstecher wert ist das Dorf Loulé, etwas im Hinterland gelegen. Loulé ist vor allem für seine auffällige Markhalle bekannt, die im arabischen Stil erbaut wurde und mit zinnoberroten Zwiebeltürmchen daher kommt. Frisches Obst- und Gemüse, Fisch und Fleisch werden an den vielen Ständen angeboten und lassen das Herz eines jeden Hobbykochs höher schlagen. Wie gemütlich und erfrischend, Einheimischen und Touristen bei ihren Besorgungen und Streifzügen zu beobachten, während man einen Café mit einem Pastei de Nata oder einem Pão de Deus genießt.
Samstags findet rund um die Markthalle noch ein Bauernmarkt statt. Hier werden Waren frisch vom Feld oder aus dem Meer angeboten. Ein absolutes Muss!
Doch auch die Altstadt von Loulé ist ein Bummel wert.




Tavira – die schönste Stadt der Sandalgarve
Tavira gilt als die schönste Stadt an der Algarve, genauer der Sandalgarve. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zur spanischen Grenze. Da das Baden am Strand nur auf den vorgelagerten Inseln möglich ist, wird Tavira vom Massentourismus verschont. Tavira besticht durch seine unaufgeregte Atmosphäre und einer malerischen Altstadt. Und, nebenbei erwähnt, das Parken ist kostenfrei direkt am Stadtzentrum möglich.
Der Blick von der Ponte Romana auf den Rio Gilão offenbarte Niedrigwasser, was jedoch einen bizarr-schönen Blick auf den Grund zuließ.





Faro – Hauptstadt der Algarve
Um Faro zu erkunden blieben mir nur wenige Stunden vor meinem Rückflug in die Heimat. Schade, wirklich sehr schade. Denn Faro präsentierte sich durchaus charmant und lohnenswert. Die Zeit reichte leider nur für einen Spaziergang durch die Altstadt und dem Versprechen, bald wieder zu kommen.
Fazit
Die Algarve ist definitiv eine Reise wert! Wer Ruhe und Entspannung sucht wird vor allem im Westen und an der Sandalgarve fündig: gemütlich, authentisch und spektakuläre Ausblicke an der Küste.
