Nach drei Tagen in Melbourne war es endlich soweit: wir starteten unseren Roadtrip von Melbourne nach Brisbane!
„we are chasing the sun“
Im Vorfeld hatte ich über eine deutsche Agentur einen Britz gemietet, der uns in 17 Tagen von Melbourne bis nach Brisbane bringen sollte. Bei der Auswahl des richtigen Reisegefährten gab es nur wenige Kriterien die uns – oder besser mir – wichtig waren: ein eigenes WC! Wie schon zuvor erwähnt bin ich großer Fan von Hotels, doch ein Campervan schien die ideale Lösung. Also gesagt, getan!
An der Anmietstation wurden wir rundum betreut. Zuerst erstellten wir Mithilfe der netten Angestellten ein Online-Konto für die Autobahn-Maut. Dann erfolgte eine erste digitale Einweisung in den Campervan, ehe wir noch eine persönliche am Auto selber bekamen und lernten, wo und wie der Frisch-und Abwassertank geleert und befüllt werden oder auch das WC gereinigt wird. Und schon ging es los: mein Mann übernahm das Steuer auf der falschen Seite sitzend, während ich mich gefühlte Meilen neben ihm auf dem Beifahrersitz nieder ließ. Die erste Fahrt führte uns zum nächstgelegenen Supermarkt, um dort die nötigsten Dinge zu besorgen (Toiletten-Papier ist übrigens auf allen Campingplätzen vorhanden und muss daher nicht gekauft werden)
Der Linksverkehr
Die erste Hürde, auf der falschen Seite sitzend in den fließenden Verkehr abzubiegen, schien noch recht einfach, wenngleich es doch etwas mehr Konzentration erforderte als das für uns gewohnte Abbiegen mit Rechtsverkehr. Doch der dann nahende Kreisverkehr war schon eine andere Hausnummer. Anders als bei uns, blinkt man beim Einbiegen in den Kreisverkehr links, wenn man die erste Ausfahrt wieder rausfährt. Möchte man geradeaus durch den Kreisverkehr, wird gar nicht geblinkt und nimmt man die dritte Ausfahrt, blinkt man rechts. Bei einer vollen Runde weiß ich auch nicht.
Die Umstellung ging schnell, den Linksverkehr meisterten wir nach nur kurzer Eingewöhnung mit links. Wenngleich es doch immer wieder Kreuzungen gab, an denen wir unisono „links“ als Gedankenstütze von uns gaben.
Camping Plätze oder Holiday Parks
Auf Phillip Island gab uns der nette Herr an der Rezeption ein dickes Heft, in dem alle Campingplätze und Holiday Parks des Bundesstaates eingetragen waren. Praktisch, dass die vor Ort verfügbaren Annehmlichkeiten wie W-LAN und Dumping Point mit eingetragen waren. Wir verließen uns lieber auf Google-Maps. Die Karten von unserer Route hatten wir vorab heruntergeladen. Dort sind ebenfalls die Plätze eingetragen und man kann sich direkt dort hin navigieren lassen. Ob Stellplätze verfügbar sind, verraten weder Google noch irgendein Heft. Wir waren im November in Australien, die Hochsaison hatte also noch nicht begonnen. Daher hatten alle von uns angefahrenen Campingplätze noch Verfügbarkeiten. Für die Hochsaison empfiehlt es sich jedoch Reservierungen vorab vorzunehmen.
Phillip Island
Von Melbourne starten wir nun endlich unseren Roadtrip nach Brisbane, erst einmal allerdings südwärts Richtung Phillip Island. Auf dem Weg dorthin ist auf jeden Fall eine Pause an einem der vielen Farmen zu empfehlen, die neben wunderbaren Kaffee und Kuchen auch Streichelzoos im Angebot haben. Meine Bekanntschaft mit einer Ziege ist noch heute ein running-gag: ich hatte mir kurz zuvor die Hände gewaschen und hielt dann der Ziege meine Hand hin. Einem kurzen Meckern der Ziege folgte ein herzhafter Nieser der zur Folge hatte, dass ich mir noch einmal die Hände waschen musste, um die Ziegen-Rotze abzuwaschen.
Auf Phillip Island angekommen, suchten wir uns zuerst einen Campingplatz. Dazu empfiehlt es sich schon vor der Abreise Google-Maps als offline-Karten zu speichern, so hat man jederzeit ein zuverlässiges Navi zur Hand und auch auf alle anderen Annehmlichkeiten von Google-Maps zugreifen kann, wie zum Beispiel die Lage der Campingplätze oder Holiday Parks. Wild Campen wollten wir nicht und ist zudem noch verboten.
Unser Platz auf Phillip Island lag direkt am Strand, den wir natürlich erst einmal ausgiebig testen musste. Zum Baden war es Mitte November noch zu kalt, aber die Sonne strahlte mit uns um die Wette.
Gegen Abend war es endlich soweit. Wir packten uns in dicke Pullover und Jacken, um die berühmte Pinguin-Parade anzuschauen und die kleinen Watschler auf dem Weg an Land zu beobachten. Einen besseren Blick auf die kleinen Befrackten hatte man jedoch weiter oben in den Dünen, wo sie hautnah an den Zuschauern vorbei liefen. Das Warten auf den Bänken hätte man sich also sparen können. Fotos und Videos aufzunehmen ist nicht erlaubt, um die kleinen Pinguine nicht zu stören.
Am nächsten Morgen – es war regnerisch und etwa 15 Grad kälter als am Vortag – besuchten wir das Koala-Reserve auf Phillip Island, in dem Koalabären in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet werden können. Wenn man die Augen schärft, sieht man auch Kängurus umherhüpfen. Ein Tree-Walk führt fast bis hoch an die Baumkronen, so dass man nahezu auf Augenhöhe mit den kleinen Koalas ist.
Gegen Mittag war es Zeit Phillip Island den Rücken zu kehren und so machten wir uns auf den Weg gen Norden. Das schlechte Wetter begleitete uns auf dem Weg, so dass wir beschlossen den Stopp am Golden Beach auszulassen und direkt nach Lake Entrance zu fahren. Ein schöner kleiner Ort erwartete uns: Strände an ruhigen Seen laden bei Sonnenschein zum Entspannen und Genießen ein. Doch das gute Wetter sollte nicht mit uns sein. Einsetzender Nieselregen machte uns die Entscheidung leicht in einem netten Restaurant ein sehr gutes Abendessen zu genießen und anschließend den Rest der Route zu überdenken.
Die Wettervorhersage war ernüchternd. Man sprach von einem großen Tief, das sich an der Küste festsetzen und Kälte mit Regen bescheren sollte. Wir fuhren noch hoch bis Mallacoota und Eden, doch anscheinend hatten wir das schlechte Wetter im Gepäck.
So beschlossen wir kurzerhand unsere Reiseplanung über den Haufen zu werfen, die Küste zu verlassen und Richtung Canberra zu fahren – denn da schien die Sonne!
Canberra
Die gut 300 km bis Canberra führten uns durch die Snowy Mountains, eine immer kärger werdende Landschaft. Bäume wurden weniger, dafür die Weideflächen für auffallend viele schwarze Kühe häufiger. Zum Glück lag in den Snowy Mountains kein Schnee mehr, doch auf die fünf Grad Außentemperatur war unsere Garderobe nicht ausgelegt. So fuhren wir ohne nennenswerten Stop bis zur Hauptstadt Australiens durch.
In Canberra angekommen unternahmen wir einen langen Spaziergang vom Campingplatz zur Innenstadt – sicherlich hätte man auch die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen können, doch zu Fuß entdeckt man oftmals versteckte Kleinigkeiten, schöne Wohnviertel oder auch die viele Kakadus und Papageien, die in Canberra umherfliege wie bei uns die Tauben.
Der Innenstadtbereich ist nett gestaltet, wenngleich nicht sonderlich überragend. Viel mehr waren wir von der Großflächigkeit Canberras beeindruckt. Entworfen am Reißbrett wurde viel Raum gelassen, Enge scheint in der Stadt unbekannt. Vor allem der Bereich um die Regierungsgebäude war äußerst weitläufig und sollte bei einem Besuch in der Hauptstadt nicht fehlen.
Batemans Bay und Kiama
Endlich, das Wetter an der Küste sollte besser werden und so haben wir unsere eigentlich geplante Route wieder aufgenommen. Von Canberra sind wir nach Batemans Bay gefahren. Das Örtchen wurde im Internet als besonders sehenswert angepriesen und auch ein Herr in Canberra hat einen Abstecher dorthin empfohlen. Bei der Ankunft allerdings waren wir eher ernüchtert: Batemans Bay ist sicherlich schön, doch erinnerte es uns eher an einen Kurort, wie wir sie hier in Deutschland kennen. So haben wir nach einen Spaziergang durch die Stadt die Fahrt nach Kiama fortgesetzt, um dort das Blowhole und den Leuchtturm zu sehen.
In einem Ort, dessen Namen ich beim besten Willen nicht mehr weiß, haben wir unser Nachtlager aufgeschlagen. Ein nahendes Regenband sollte über Nacht weiterziehen, so dass wir am nächsten Morgen mit einem Abstecher in Wollongong unseren Weg gen Sonnenschein und Norden fortsetzten. Sydney haben wir zu diesem Zeitpunkt großräumig umfahren, denn unser Ziel hieß Central Coast und danach…
Port Macquaire
Im dortigen Koala-Hospital haben wir abermals die kleinen Tierchen besucht, die dort von vielen Freiwilligen und Angestellten liebevoll nach Krankheiten oder Autounfällen aufgepeppelt werden. Die Sonne war nun auch endlich wieder mit uns, es wurde wärmer. Spaziergänge zum Strand waren wieder möglich, ohne dass man von oben und unten naß wurde. Port Macquire ist schön und irgendwie gediegen. Hier kann man gut eine Nacht verbringen, das Örtchen auf sich wirken lassen und den Strand erkunden.
Coffs Harbour und Byron Bay
So hatten wir uns unseren Roadtrip am anderen Ende der Welt vorgestellt: Sommer, Sonne, Sonnenschein, exotische Tiere, leckeres Essen, nette Menschen,… Einen Großteil hatten wir die Wochen zuvor schon erlebt – bis auf das gute Wetter. So konnte das Abenteuer nördlich von Sydney nun weitergehen. Die Big Banana, Meerwasser-Pools, Storche, Pelikane, tolle Promenaden und Fasane auf Campingplätzen waren mit uns auf unserer Fahrt hoch nach Gold Coast.
Byron Bay ist ein Mekka für Surfer, Individualisten und Backpacker. So war es kaum Verwunderlich, dass wir den Altersdurchschnitt nach oben zogen, doch wir haben versucht uns nichts anmerken zu lassen. Byron Bay ist sehenswert, vor allem weil an jeder Ecke und von überall junge hippe Menschen mit Rastazöpfen und einem Surfbrett unter dem Arm auftauchen. Der Ort an sich hat auch einiges zu bieten, vor allem wenn man an Parties interessiert ist. Wir haben es vorgezogen lecker essen zu gehen und die vielen Surfer auf dem Meer zu bestaunen.
Surfers Paradies, Gold Coast
Was soll man sagen: die Abiturienten hatten es geschafft und waren in Scharen nach Surfers Paradies gepilgert, um dort feucht fröhlich ihren Schulabschluss zu feiern – und wir mitten drin! Wir stellten etwas erschrocken fest, dass wir auch die Eltern der Feier-Wütigen sein könnten. Um das feiernden Volk in Ruhe gewähren zu lassen, unternahmen wir einen Spaziergang in die Stadtmitte. Den Rückweg legten wir am Strand zurück, was absolut die richtige Entscheidung war. Der Blick auf die Skyline war atemberaubend schön, fast wie gemalt.
Ab Abend fanden wir ein kleines Restaurant, in dem just an dem Abend Trivia gespielt wurde. Den Spaß wollten wir uns nicht entgehen lassen und haben munter mitgeraten und gerätselt. Gewonnen haben wir nicht, aber darum ging es ja auch nicht. Gold Coast an sich empfanden wir als eher hässlich. Hochhäuser am Strand sehen auf die Distanz toll aus, doch wir wurden mit der Stadt – bzw. den einzelnen Stadt-Abschnitten – nicht warm, wenngleich der Strand ein wirkliches Postkartenmotiv war.
Fazit
Das war nicht unser erster Roadtrip den wir unternommen haben, aber der erste mit einem Campervan. Würden wir noch einmal so reisen? Ja – obwohl man auf das WC verzichten kann. Zum einen sind die sanitären Anlagen auf den Campingplätzen wirklich sauber. Und die Liegefläche des Bettes im Campervan dürfte sich ohne WC-Einbau verlängern, so dass man im Bett die Beine ausstrecken kann. Zum anderen ist das Entleeren der chemischen Toilette schon…sagen wir gewöhnungsbedürftig. Einmal haben wir den Behälter entleert und uns fortan darauf beschränkt die – zumeist Männern – zu beobachten, wie sie allmorgendlich den Toilettentank auf Rädern wie einen Hakenporsche hinter sich herzogen und man wusste genau mit welchem Ziel: dem Dumping Point.
Die Aussattung der Campervans sind wirklich sehr gut, man hat alles was man braucht. Angefangen vom Wasserkocher bis hin zur Wäscheleine war alles vorhanden. So wurde auch das Trocknen der Wäsche bei Regenwetter kein Problem. Wir haben die Leine kurzerhand quer durch unser mobiles Heim gespannt. Hinter uns fahrende Fahrzeuge musste halt den Anblick der im Rückfenster hängenden Unterhosen ertragen – aber die waren zu dem Zeitpunkt ja schon gewaschen.
Die Routen an der Küste entlang sind wirklich schön. Aussichtspunkte oder Sehenswürdigkeiten werden gut ausgeschildert, so dass man jederzeit anhalten kann. Bei diesen kleinen Stopps haben wir immer wieder nette Menschen kennengelernt, mit denen man schnell ins Gespräch kam. Australier sind so aufgeschlossen und freundlich, dass wir uns vorgenommen haben, eine gute Portion von der offenen Lebenseinstellung wieder mit nach Deutschland zu nehmen.

