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Tel Aviv

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Entgegen unserer Gewohnheiten, unseren Urlaub weit um die üblichen Ferien-und Urlaubszeiten herum zu legen, hieß es dieses Mal ein passendes Reiseziel für Ende Juni finden. Nach einigen Recherchen war klar, dass ein innereuropäischer Flug – quasi egal wohin – ebenso teuer werden würde, wir eine Fernreise. So fiel die Entscheidung spontan für einen Kurztrip auf Tel Aviv, Israel. Von dem guten Essen und schönen Stränden hat sicherlich jeder schon mal etwas gehört. Tel Aviv und Israel haben eine Menge Sehenswürdigkeiten zu bieten, die wir nun erkunden wollten.

Die Anreise

Ende Juni bestiegen wir den Pegasus-Flug nach Istanbul, um von dort aus weiter nach Tel Aviv zu fliegen. Vorab hatten wir gelesen, dass die Einreise nach Israel Hürden und Hindernisse mit sich bringen könnte. Auf strenge Einreisekontrollen und eine straffe Befragung an der Immigration sollte man sich einstellen. Doch wider Erwarten verlief alles ganz Komplikation-los. Wir reihten uns in die Schlange der Wartenden ein und traten dann an den Schalter, wo uns ein freundlicher Grenzbeamter anlächelte. Er stellte die üblichen Fragen: Waren Sie schon mal in Israel? Wie lange bleiben Sie? Wo werden Sie übernachten? Nach dieser kurzen Prozedur hielten wir auch schon die Einreisekarte in der Hand (ein israelischer Stempel landet nicht im Reisepass), wir nahmen unsere Koffer vom Kofferband und traten hinaus in die späte Nacht mit tropischen Temperaturen.

Angesichts der Uhrzeit wählten wir den bequemen Weg zum Hotel und hielten Ausschau nach einem Taxi in die Innenstadt. Vorbei an sich anbietenden Taxifahrern, gingen wir zum offiziellen Taxi-Stand, wo uns ein Taxi zugewiesen wurde.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, meldete sich unser Bauch und wollte unbedingt was zu Essen haben. In Tel Aviv kein Problem: nachts um 01:00 Uhr aßen wir ein wirklich gutes Sandwich an einer der vielen geöffneten Imbissbuden.

Das Hotel

Der Fahrer setzte uns vor unserer Unterkunft BY14 TLV Hotel in den Ben Yehuda Strasse ab. Das Hotel entpuppte sich als gute Wahl. Die Lage war sehr zentral in der Stadt und zum Jerusalem-Beach, die Mitarbeiter nett und die Ausstattung modern, individuell. Der kleine Balkon am Zimmer bot eine schöne Möglichkeit den Abend ausklingen zu lassen. Nicht nur das kostenfreie Wasser-und Kaffeeangebot in der Lobby, auch die Flasche Wein im Zimmer war umsonst, was uns natürlich sehr gefreut hat. So ließen wir den ein oder anderen Abend gemütlich auf dem Balkon ausklingen.

Die „weiße Stadt“ – der Bauhaus-Stil

Vor der Reise nach Tel Aviv hatte ich diverse Blogs gelesen, die Tel Aviv als DIE Stadt schlechthin anpriesen: die Häuser im Bauhaus-Stil in der „weißen Stadt“, die schönen Strände, die entspannten Menschen, das gute Essen,… All das hatten wir im Hinterkopf, als wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen zu einer ersten Entdeckungstour aufmachten. Es dauerte nur wenige Straßenzüge bis sich Ernüchterung einstellte. Ja, der Bauhaus-Stil ist durchaus präsent und für Architektur-Liebhaber sicherlich auch interessant. Wir hingegen sahen Häuser mit bröckelnden oder verfallenen Fassaden, die teilweise dringend eine Renovierung nötig hatten. Schatten-spendende Bäume säumten die Strassen, doch schwüle 35 Grad machten sich bemerkbar in den Betonwüsten. Ernüchterung machen sich erst einmal Ernüchterung breit.

heruntergekommene Fassaden neben renovierten Gebäuden

Carmel Market

Auf den ersten Metern kamen wir am hoch angepriesenen Carmel Market vorbei, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. Wir lieben Märkte. So tauchten wir in die enge Gasse ein und bestaunten die Unmengen an Bekleidung und Schmuckwaren, die die Händler feilboten. Weiter unten wechselte das Bild. Frisches, herrlich duftendes Obst und Gewürze säumten die Stände zur rechten und linken. Einheimische quälten sich durch die Touristen-Massen und die Enge bei dem Versuch, ihre täglichen Besorgungen zu erledigen. Händler versuchten mit Rufen die Besucher zum Kauf zu animieren. Sicherlich eine nette Erfahrung, aber kein Ort, an dem wir uns länger als nötig aufhalten wollten. An einem Abend kehrten wir auf dem Rückweg zum Hotel noch einmal zum Carmel Market zurück und waren dann doch beeindruckt von der Stimmung des allgegenwärtigen Reinemachens:

Carmel Market am Abend

Allenby-Street/King Georg Street

Eine der Hauptstrassen durch Tel Aviv ist die Allenby-Street. Kleine Geschäfte, Supermärkte, Cafés und Restaurants säumen die Bürgersteige. So fanden wir eine Bäckerei, die eine unglaubliche Auswahl an süßen und herzhaften Backwaren offerierte und dadurch unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Bei Cappuccino und den wahrscheinlich besten Schokocroissants, die ich jemals gegessen hatte, studierten wir den Stadtplan. Die King Georg Street war nicht weit, so schlenderten wir auch hier durch kleine Boutiquen, vorbei an Saftständen und Lebensmittelmärkte.

Dizengoff-Mall

Nach der Stärkung liefen wir zur Dizengoff-Mall, von der ich zuvor gelesen hatte, dass es eine der besten Malls in Tel Aviv sei. Entsprechend gespannt waren wir was uns wohl erwarten würde. Das Parkhaus war schnell gefunden. Doch den Eingang zur Mall zu finden, war wohl eine Nummer zu hoch für uns. Zuerst liefen wir an einem der vielen, kleinen und unscheinbaren Eingangstüren vorbei, die wir nicht als Eingang zu einer Mall identifiziert hatten. Schließlich wagten wir uns doch an eine Tür heran, an der ein mürrisch dreinblickender Herr stand. Er forderte mich wortlos auf, Einblick in meine Handtasche zu bekommen und ließ uns schließlich herein.

Die Dizengoff-Mall ist in einen Komplex A und B aufgeteilt, die miteinander verbunden sind. Im unteren Teil boten Einheimische ihre frisch gekochten Gerichte zum Kauf an. Es sah alles sehr gut aus und erfüllte das Erdgeschoss mit einer Mixtur aus vertrauten und fremdartigen Gerüchen der uns größtenteils unbekannten Speisen. Shopping-Fans werden in der Dizengoff-Mall sicherlich fündig. Neben Ketten-Geschäften gibt es eine Vielzahl kleiner Boutiquen mit ausgefallenen Kleidern und Schuhen sowie Schmuck. Doch für uns ist die Shopping-Welt nicht die, die wir erkunden wollten. Daher haben wir lediglich die Etagen abgeschritten und dann die Mall wieder verlassen – mit demselben Eindruck, den wir schon zuvor von den Strassen von Tel Aviv hatten: es ist irgendwie „verrockt“, heruntergekommen, ungepflegt.

Sarona Market

Wir brauchten Abkühlung, so entschieden wir uns das nächste Einkaufszentrum aufzusuchen und liefen den Weg zu Fuß zur Azrieli-Mall. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Sarona Market vorbei, der ebenfalls klimatisiert zu sein schien und daher eine willkommene Unterbrechung unseres Weges war. Dieser überdachte Markt mit festen Ständen offerierte eine unglaubliche Anzahl an verschiedensten Speisen und Getränken. Von landestypisch bis international war für jeden Gaumen etwas dabei. Vor allem fiel uns positiv auf, dass man sich nach herzenslust mit seinen bevorzugten Speisen und Getränken eindecken und diese dann an einem anderen Stand verzehren kann – da, wo es einem gerade gefällt zu sitzen und zu verweilen.

So machten wir es den Einheimisch nach. Abermals konnten wir den angebotenen Backwaren nicht widerstehen, die Wahl fiel auf herzhafte, kleine Stückchen. Mit unserer Beute gingen wir zu einem Weinhändler, wo wir ein Glas heimischen Shiraz tranken und dazu unsere Bäcker-Teilchen knabberten. Der freundliche Besitzer war – nach anfänglichem Schweigen – sehr redselig, so dass wir uns angeregt über Tel Aviv und auch Jerusalem unterhielten. Er gab uns hilfreiche Tipps (vor allem den, dass sich eine Tour nach Jerusalem lohnt, wenn man religiös ist) und machte uns den Burger seines Nachbarstandes schmackhaft. „Es ist der beste Burger in ganz Israel“, lernten wir.

der „beste Burger Tel Avivs“ im Sarona Market – nicht untertrieben

Zum Abschluss zogen wir noch einen Stand weiter und tranken den wohl besten Espresso, den wir seit langer Zeit getrunken haben! Der Inhaber, ein Kaffee-Nerd auf dem Bilderbuch, erklärte uns die Besonderheiten und Feinheiten, die es für eine gute Espresso-Zubereitung benötige.

Das Essen in Tel Aviv

Oft hörten und lasen wir vor unserer Reise, dass es in Tel Aviv sehr gutes Essen geben soll. Das, was wir bis dato gesehen hatten, sah auch wirklich sehr gut aus. Die Wohlgerüche aus den unterschiedlichen Restaurants und Cafés unterstrichen dies. Doch dass die Auswahl der Lokalität und der Speisen nicht ohne Hindernisse vonstatten gehen würde, war uns indes nicht bewusst gewesen. Natürlich waren die Speisekarten auf Hebräisch! Da unser hebräischen Sprachkenntnisse und Fähigkeiten die fremdartigen Buchstaben zu lesen gleich Null sind, begnügten wir uns vorerst damit, den in den jeweiligen Restaurants sitzenden Menschen auf die Teller zu schauen, um einen Eindruck von der Speisekarte zu bekommen.

Diese Prozedur schien für den Anfang gut, doch war so nicht zielführend: wir hatten Hunger! Letztendlich entschieden wir uns für ein kleines Lokal mit einer schönen Terrasse. Die freundliche Bedienung reichte uns die hebräische Speisekarte, was uns ein „challenging“ entlockte. Wir baten sie daher schließlich um zwei landestypische Gerichte und wurden mit einer Art Frikadellen mit darin eingebackenem Blumenkohl, dazu Couscous und Tomatensauce sowie ein frischer Salat mit Tahini und Falafel üerrascht. Einen anderen Abend gab es dann ein veganes Sandwich mit gebratener Aubergine, Ei, Humus und allerlei Gemüse. Das Essen in Israel ist sehr gut, frisch, qualitativ hochwertig und macht einfach Spaß!

ein El-Dorado für Mohn-Liebhaber

Von einem Pärchen, mit dem wir in einem Café ins Gespräch kamen, erhielten wir die Empfehlung für eine sehr gute Falafel Pita. Der Laden sei nur wenige Meter neben der Dizengoff Mall zu finden und würde „The Magician“ heißen. Ja, den wollten wir direkt ausprobieren, erklärten wir. Sie würden uns den Namen aufschreiben, boten unsere Gesprächspartner an, was wir dankend annahmen – denn sonst hätten wir schlichtweg den Namen nicht lesen können! Bewaffnet mit einem kleinen Zettel liefen wir so den Bürgersteig hinauf und fanden schließlich den „Magician“. Wir reihten uns in die lange Schlange Wartender ein und bestellten schließlich einen Falafel Pita und einmal Scharwama. Beide Pita-Brote wurden mit Humus, einer grünen Paste und frischem Gemüse bestückt. Die gebratene Aubergine durfte auch hier wieder nicht fehlen und war mit Falafel-Bällchen gekrönt. Sehr zu empfehlen!

Old-Jaffa

Am Vormittag wählten wir den Weg zum Strand und liefen durch das warme Wasser der Brandung Richtung Old-Jaffa. Der Weg, der schließlich über die Promenade weiter führt, ist zu Fuß gut zu bewältigen. Da auch dort kein Schatten zu finden ist, sollte man aber auf jeden Fall an eine gute Kopfbedeckung denken!

Im Hafen von Jaffa angekommen, stiegen wir die schmalen Treppen in die Altstadt hoch und ließen uns durch die schmalen Gassen treiben. Kunstliebhaber kommen hier mit der Vielzahl an kleinen Galerien voll auf ihre Kosten. Schließlich landeten wir auf dem berühmten Odl-Jaffa-Flohmarkt. So weit das Auge reichte sahen wir Flohmarkt-Stände an denen nicht nur kommerzieller Verkauf betrieben, sondern auch sämtliches Hab und Gut angeboten wurde. Sicherlich beeindruckend, doch touristisch sehr überladen. Das, und auf Grund der hohen Temperaturen, beschlossen wir Old Jaffa alsbald den Rücken zu kehren, doch nicht ohne noch einmal den Blick auf das tolle Panorama und Skyline von Tel Aviv schweifen zu lassen.

Blick auf die Skyline von Tel Aviv

Rothschild-Boulevard

Bei unseren Streifzügen durch Tel Aviv trafen wir immer wieder auf den Rothschild-Boulevard. Hier flanieren Einheimische sowie Touristen und bestaunen die farbenfrohen Bäume. Ein Bummel ist zu jeder Tageszeit ein schönes Erlebnis – dabei pausiert man an den Kaffeebuden, genießt einen Espresso, sieht und wird gesehen.

Rothschild-Boulevard
Kaffeebar auf dem Rothschild-Boulevard

Ein Ausflug zum Hafen von Tel Aviv ist vor allem am Shabbat eine gute Idee, wenn man denn an diesem Tag der Shopping-Laune frönen möchte. Die meisten Geschäfte haben geöffnet, doch hier sammelten sich Scharen an Touristen. Wir haben dem Treiben den Rücken gekehrt und den Ausblick auf das Meer und die Strände genossen.

Hafen von Tel Aviv

Die Menschen

Wat sind die alle schön hier…ein von der Sonne und Stränden verwöhntes Land scheint auch den Menschen gut zu tun. Lässig, cool und irgendwie alle ganz schön anzuschauen, kamen wir uns zeitweise eher wie Trampeltiere vor. Doch egal, so ist es nunmal.

Wie steht es mit der Freundlichkeit der Menschen in Tel Aviv? Der erste Kontakt verlief im Normalfall etwas unterkühlt. Man redete das Nötigste – bis das erste Lächeln ausgetauscht worden war. Plötzlich, wie ausgewechselt, fand man sich in einem netten Plauderton gegenüber: locker, leicht, cool und wirklich nett, diese Tel Avivianer.

Fazit

Zusammenfassend fällt die Antwort nicht schwer: Tel Aviv ist auf jeden Fall eine Reise wert! Nicht, weil das Stadtbild so wunderschön wäre – allerdings gibt es sehr viele schöne Ecken und Straßenzüge – sondern vielmehr weil die Menschen die Stadt leben und sie damit zu etwas wirklich Besonderem machen. Man sucht Gründe, um raus zu gehen, die Zeit zu genießen. Tel Aviv schläft nie: nachts um eins etwas zu essen ist genauso möglich wie sich morgens in aller Früh im Meer auf den Wellen treiben zu lassen. Tel Aviv hat uns in seinen Bann gezogen.

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